Title: Nachhaltiges Erinnern &#8211; Stolpersteine für Heinrich Heuberger und Amalie Mathilde Reif
Author: Rechtsanwalt Frank Felix Höfer, LL.M. - Stuttgart
Published: 21. Februar 2025
Last modified: 17. Dezember 2025

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Nachhaltiges Erinnern – Stolpersteine für Heinrich Heuberger und Amalie Mathilde
Reif

# Nachhaltiges Erinnern – Stolpersteine für Heinrich Heuberger und Amalie Mathilde Reif

 Veröffentlicht am 21. Februar 202517. Dezember 2025 von [Rechtsanwalt Frank Felix Höfer, LL.M. - Stuttgart](https://www.kanzlei-gaensheide.com/author/kanzleigaensheide/)

Ein bewegender Tag. Heute erhielten Heinrich Heuberger und Amalie Mathilde Reif,
die in der NS-Zeit ermordet wurden, ihre Stolpersteine in der Sickstraße 18 und 
55 in Stuttgart-Ost. Es war sehr ergreifend, ihre Lebensgeschichte mit vielen berührenden
Beiträgen von offizieller Seite, Vertretern unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften,
zahlreichen SchülerInnen und der Musik von Susanne Courtin zu hören. Der Initiator
der Stolpersteine, der Künstler Gunter Demnig, führte heute persönlich die von der
Stolperstein-Initiative Stuttgart-Ost organisierte Verlegung durch.

Im vergangenen Jahr haben wir uns entschieden, statt Weihnachtskarten und Geschenken
die Kosten für die Verlegung der Stolpersteine und die Putzpatenschaft zu übernehmen.
Wir sind sehr dankbar, dass wir auf diese Weise dazu beitragen können, dass die 
Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht vergessen werden. Herzlichen
Dank an Frau Gudrun Greth von der Stolperstein-Initiative Stuttgart für die vielen
interessanten und guten Gespräche in den letzten Monaten.

**Heinrich Heuberger** wurde am 17. August 1894 in Stuttgart geboren. Seine Eltern
Emilie Marie Heuberger, geb. Rieber, und Ludwig Heuberger, Retuscheur, hatten insgesamt
neun Kinder, von denen fünf in der Kindheit starben. Ein weiterer Bruder Heinrichs
verlor als Soldat im Ersten Weltkrieg das Gehör und beging Suizid. Heinrich Heuberger
der im 1. Weltkrieg eingezogen wurde, blieb unverwundet, er erhielt als Gefreiter
die Verdienstmedaille und das Eiserne Kreuz II. Klasse.  Nach dem Besuch der Volksschule
in Stuttgart absolvierte Heinrich Heuberger die Handelsschule und eine kaufmännische
Lehre im Telegrafenbüro Wolf, wo er dann noch bis 1926 arbeitete. In guter Ehe lebte
er seit 1920 mit seiner Frau Isolde, geb. Kagerbauer, Tochter Sigrid wurde 1929 
geboren.

Als der Bankbeamte bei der Diskontogesellschaft „Stahl & Federer“ 1927 einem Anlagebetrüger
aufsaß und gegen Abfindung gekündigt wurde, wurde er schwer krank: Nach dem Gurgeln
mit Chinesol zur Grippeprävention wurde er blau am ganzen Körper, die Finger- und
Fußnägel fielen aus.  Ab 1928 arbeitete Heinrich Heuberger bei der Bausparkasse 
in Wüstenrot und ab 1930 in Ludwigsburg. 1932 lehnte er es ab, dass sein Hausarzt
Dr. Karl Berner ihn wegen einer fiebrigen Erkältung krankschrieb, er geriet in einen
psychischen Ausnahmezustand, der ihn ins Bürgerhospital brachte. Entmündigt wurde
er von dort in die „Heilanstalt“ Winnental überstellt.

Am 3. Juni 1940 wurde der 45-Jährige Heinrich Heuberger in die NS-Tötungsanstalt
Grafeneck bei Münsingen verbracht, wo er gleich nach der Ankunft ermordet wurde.

**Amalie Mathilde Reif** wurde am 10. Oktober 1867 als zweitjüngstes von sieben 
Kindern in Hollenbach geboren. Sie lebte bis 1941 unverheiratet in ihrem eigenen
Haus mit Hof und Gemüsegarten in der Sickstraße 55 in Stuttgart-Ost, bis 1939 mit
ihrer nicht-jüdischen Haushälterin Hanna. In den 1930er Jahren wurde sie in den 
Schulferien von ihren Nichten und Neffen aus Creglingen besucht. Ihr „Lieblingsneffe“
Alfred wohnte während seiner Stuttgarter Schulzeit bei ihr.

Um vor den Judenverfolgungen des NS-Regimes zu fliehen und gemeinsam mit ihrer Schwester
Lina Gutmann, geb. Reif, in die USA auszuwandern, musste Amalie das Haus im April
1941 zu weniger als einem Viertel des Schätzpreises verkaufen.  Zu der geplanten
Ausreise sollte es nie kommen: 1942 wurde Amalie in ein Zwangsaltersheim in Dellmensingen
umgesiedelt. Dies war ein Sammellager, in das von Februar bis August 1942 insgesamt
128 Juden und Jüdinnen – zumeist aus Stuttgart – gebracht wurden, bevor es aufgelöst
und die BewohnerInnen zurück nach Stuttgart gebracht wurden ins Sammellager Killesberg,
wo sie ihr letztes Gepäck abgeben und sogar für den Transport bezahlen mussten. 
Zu Fuß vom Killesberg an den Nordbahnhof getrieben wurden die alten Menschen am 
22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert.

In einer letzten Meldung ist zu lesen, dass Amalie Reif von Theresienstadt aus am
26. September 1942 „nach Osten zur Vergasung“ gebracht wurde. Vier Jahre nach Ende
des 2. Weltkriegs wurde Amalie Mathilde Reif schließlich für tot erklärt. Ihre Schwester
Lina starb am 7. Januar 1943 im KZ Theresienstadt. Die meisten von Amalie Reifs 
Nichten und Neffen konnte in die USA oder nach Palästina/Israel auswandern, wo mehrere
ihrer Angehörigen heute noch leben.

Projektgruppe der Stolperstein-Initiative Stuttgart-Ost: Gudrun Greth, Walter Geisse,
Sophie Heinig, Vincenzo Paladino, Karl-Heinz Greth
Musik: Susanne Courtin, GeigeBiografien:
Sophie HeinigGrußworte und kulturelle Beiträge:Armin Serwani, Bezirksvorsteher Stuttgart-
OstSusanne Jakubowski, Israelitische Religionsgemeinschaft WürttembergPfarrer Josef
Laupheimer, leitender Pfarrer der katholischen Gesamtkirchengemeinde S-OstAlbrecht
Hoch, Evangelische Friedenskirchengemeinde S-OstSchülerInnen des Zeppelingymnasium
Stuttgart mit Fr. KleinmannSchülerInnen des Salier-Gymnasiums WaiblingenSchülerInnen
der Neckar-Fils-Realschule Plochingen  Unterstützung Recherche: Christa Linkenheil-
Achouche und Elke Martin

Anlässlich der Stolperstein-Verlegung erscheinen im Podcast _ge_denkworte Beiträge
zu Heinrich Heuberger und zu Amalie Mathilde Reif, in dankenswerter Kooperation 
mit der Akademie für gesprochenes Wort Stuttgart /Uta Kutter Stiftung.

[www.stolpersteine-stuttgart-ost.de](http://www.stolpersteine-stuttgart-ost.de)

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![Personenmenge gedenkt Opfern des Nationalsozialismus mit dem Legen von Stolpersteinen](
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![Mann platziert Stolpersteine im Gehweg](https://www.kanzlei-gaensheide.com/wp-
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![Menschenmenge gedenkt Opfern des Nationalsozialismus mit Stolpersteinen](https://
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